Meine Malerei, ich nenne sie Destructive-Art, ist in Form und Inhalt wie gemalte Biographie und hat Bezug zu fünf markanten
Begebenheiten meines Lebens:

1. Das Zeichnen

Mal abgesehen von einer prinzipiellen Begabung in den Fächern "Kunst", ist die Grundlage meiner Malerei das Zeichnen, besonders das räumliche Zeichnen, wie ich es im Innenarchitekturstudium bei Prof. Eberhard Linke erlernte.

2. Die zerrissenen Linie mit eingeschränkter Farbpalette

Die Formensprache der zerrissenen Linie, sowie die Einschränkung auf eine knappe Farbpalette in deckenden Farben hatte ich als Angestellter bei Friedrich Ernst von Garnier (einer der bekanntesten Farbdesigner der Welt) kennengelernt, praktiziert, verinnerlicht und beibehalten.

3. lasierend und deckend

Bei Anthroposophen lernte ich Wand-Lasurtechniken kennen und schätze sie in sich selbst, aber auch um damit den Zwang zur Form aufzulösen, wie dies bei von Garnier der Fall war. Gleichzeitig habe ich damit fließend-malerische Komponenten im Bild.

4. Architektenpartnerschaft, Scheidung, Justiz und Scheitern

Die Zeit in unserem neu gegründeten Architekturbüro (PAF Planungsgemeinschaft Architektur und Farbe) und der "Scherbenhaufen" danach, verstärkte nochmals meine Affinität zu Gebäudedarstellungen und führte schließlich zum Inhalt meiner Bilder - Zerstörung, Zusammenbruch, Scheitern - aber noch nicht zu deren Realisierung.

5. Kunsthalle Schirn, Frankfurt

Erst der nahe Kontakt zu Kunst und Künstlern bei Ausstellungsumbauten in der Schirn Kunsthalle eröffnete mir den Weg, das zuvor Erlernte, Beschriebene und Erlebte in eine eigene Bildsprache hineinzuführen.


Der Reihe nach und im Einzelnen:

zu 1: Das Zeichnen Ich absolvierte eine Maler- und Lackiererlehre und wurde eigentlich völlig unbeabsichtigt Landessieger der Maler- und Lackiererinnung Rheinland Pfalz. 1969 bewarb ich mich zur Studienberechtigung der Innenarchitektur im zweiten Bildungsweg und erhielt sie durch bestandene Eignungsprüfung an der Werkkunstschule in Mainz. Durch die Einberufung zur Bundeswehr, nach zwei Semestern, musste ich das gerade begonnene Studium wieder abbrechen. Ich erlebte hier erstmals so etwas, wie einen Einbruch, beschäftigte mich gleichzeitig mir spirituellen und philosophischen Büchern. Mit veränderter inneren Haltung verweigerte ich nach wenigen Wochen und innerhalb der Bundeswehr den Dienst mit der Waffe - allerdings ohne schnell und kurzfristig als Kriegsdienstverweigerer durch die ersten bundeswehreigenen Instanzen anerkannt zu werden. Dies geschah erst nach 12 Monaten durch ein ordentliches Gericht.

Nach der Bundeswehr begann ich 1972 das Innenarchitekturstudium noch einmal von vorne, da in der Zwischenzeit eine einschneidende Studienreform beschlossen wurde. So erlebte ich nicht nur völlig neue Fächer, sondern auch den wunderbaren Unterricht des neuen Professors im Zeichnen und Plastizieren - Eberhard Linke.

zu 2: Die zerrissenen Linie mit eingeschränkter Farbpalette Während des Studiums sah ich voller Begeisterung die ersten Arbeiten von jemandem, der den völlig neuen Beruf des Farbengestalters sozusagen "erfand" und war überglücklich in seinem "Studio F. E. von Garnier" 1979 angestellt zu werden. Er arbeitete für seine farbigen Fassadenentwürfe vorwiegend mit geometrischen Formen und Streifen, aber auch mit jenen zerrissenen Formen, wie ich sie in meinen Bildern verwende. Die Farben waren immer auf eine streng reduzierte Palette beschränkt und in ihrem Hell/Dunkel und Aktiv/Passiv von ästhetischem Reiz. Ohne die Lasurtechniken zu kennen wurden bei ihm damals alle Farbgestaltungen mit deckenden Farben und klar begrenzten Flächen geplant und ausgeführt. Dabei wurde jede Farbe in eine geometrische oder in eine freie Form "hineingezwungen", wie ich es nennen möchte. In den Mittagspausen begann ich gelegentlich farbige Zeichnungen anzufertigen, denn neben der Freude am Zeichnen interessierte mich nun, als frisch gebackener Farbdesigner, natürlich auch die Farbe.

In dieser Zeit lebten wir, unserer Kinder wegen, am Fuße der Waldorfschule in Mainz-Finthen - also dem Ort meiner frühen Kindheit - und ich war regelrecht "verliebt" in die Felderlandschaften des Mainzer Umlandes. Mit Temperafarben (der Umgang war mir durch die Arbeit im Studio gewohnt) malte ich dann kleine Bilder dieser Felderlandschaften oder gelegentlich im Urlaub (siehe z.B. das Titelbild meiner Homepage).

Durch meine Beschäftigung mit Anthroposophie gegen Ende meines Studiums waren mir die dort verwendeten Lasurtechniken schon bekannt geworden und ich versuchte von Garnier davon zu begeistern, was mir jedoch keineswegs gelang (er übernahm den Ansatz 5 Jahre später, mit einer sehr schönen eigenen "Handschrift"). Einige innerbetriebliche Krisen und meine grüblerische Art mit Neigung zur Selbstbestimmung beendeten die Arbeit im Studio von Garnier 1983 nach vier Jahren.

zu 3: lasierend und deckend Bei Anthroposophen gab und gibt es jedoch einen ausgeprägten Gestaltungswillen in der Architektur und der Farbgestaltung, so dass ich wieder Betätigungsfelder in Waldorfschulen oder Altenheimen fand und genoss die körperliche Arbeit, wenn wir die Farbe auf großen Flächen frei-fließend aufbrachten.

zu 4: Architektenpartnerschaft, Scheidung, Justiz und Scheitern Fließend war auch der Übergang zur selbständigen Tätigkeit als Farbdesigner und Innenarchitekt, aber auch zur ca. 20-jährigen Malpause meiner Landschaftsbilder.

Ab Mitte der Achtziger Jahre arbeitete ich immer mehr mit meinem früheren Studienkollegen Rainer Schultheiß zusammen, der in der Zwischenzeit ein einigermaßen erfahrener Architekt geworden ist. Meine Erfahrungen bei F. E. von Garnier brachte uns schnell auf den Gedanken, die Farbgestaltung nicht als "dekorative Feuerwehr im Nachhinein" anzuwenden, wie es bei von Garnier meist der Fall war, sondern Gebäude gleich von Anfang an farbig zu konzipieren. Deshalb nannten wir unser Büro in der Mainzer Altstadt: "PAF- Planungsgemeinschaft Architektur und Farbe". Wir arbeiteten sehr viel, um unsere Bürogründung zum Erfolg zu führen und wurden dabei mehrmals von Bauträgern oder angesehenen Namen ausgenutzt und betrogen. Das kostete sehr viel Energie. Finanziell war es eine ständige Fahrt am Abgrund; rechtliche Wege waren aus Geldmangel nicht realisierbar. 1993 gewannen wir einen etwas größeren Wettbewerb mit über 100 Sozialwohnungen, so dass unsere finanziellen Probleme erträglicher wurden. Doch genau in dieser Zeit fand es meine damalige Frau passend, sich zu trennen. In der Folge wurden Bankbürgschaften gekündigt oder haarsträubende, unerfüllbare Unterhaltsurteile gefällt (nicht reale vergangene Einkünfte, sondern unreale zukünftige Einkünfte aus dem Wettbewerb wurden, ohne Berücksichtigung der finanziellen Altlasten, als Berechnungsgrundlage genommen). Es entstanden für weitere Instanzen, die den Wahnsinn abwehren sollten, gigantische Nachweispflichten (z.B. warum und für welches Projekt wurde dieser oder jener Bürostuhl oder Bleistift dringend benötigt), so dass unsere Architektenpartnerschaft das alles nicht mehr aushielt.

Ich musste aufgeben und fand mich als Krönung dieser Lebensphase, vor einem ausrangierten Wohnwagen als ersten Wohnsitz, dem Gerichtsvollzieher gegenüber. Doch dies, das Scheitern (und natürlich meine jetzige Frau), war die Rettung. Von nun an zogen sich allmählich alle Bedrängnisse wie von alleine wieder zurück.

zu 5: Kunsthalle Schirn, Frankfurt Ab 1995/96 begann ich, anfangs sogar ohne Bankkonto, wieder mit dem Pinsel und der Malerrolle mein Geld zu verdienen. Alte, frühere Kontakte waren mir eine große Hilfe und neue entstanden. Ein großer Schritt in dieser Zeit war der Kontakt zur Schirn Kunsthalle in Frankfurt. Für die Jubiläums-Ausstellung zur deutschen Revolution hatte ich 1998 Gelegenheit, mit Hilfe meines damaligen Malerkollegen Stefan Schäfer, ein großes Landschaftsbild zu malen. Das Bild, bestehend aus Wolken und Meer, war der eindringliche Abschluss-Eindruck der Ausstellung und sollte die gefahrvolle und ungewisse Zukunft auswandernder Revolutionäre nachvollziehbar machen.

In der Folge entstand für mehr als zehn Jahre eine freie Mitarbeit bei Ausstellungsumbauten in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, aber auch in anderen Kunsthäusern. Dadurch hatte ich jahrelang, sozusagen intimen Kontakt zu den jeweiligen Kunstwerken, aber auch gelegentliche Kontakte zu manch hochrangigem Künstler. Ich verstand (für mich) welche Beziehung sie zu ihrer Kunst haben und wie ernst, aber auch wie natürlich es für sie ist, Ihrer Kunst nachzugehen.

Als innerlicher Maler beobachtete ich in meiner 20-jährigen "Malpause" ständig und vieles. In den Kunsthallen permanent Kunst und Künstler zu erleben versetzte mich innerlich in eine jahrelange Vorbereitungsphase der eigenen Malerei. Um die Jahrtausendwende herum entstand in mir der Wunsch nach Bildern in stehendem Format von wenigstens 2 qm Größe, um mich und den Betrachter einigermaßen in das Bild "hineinzubekommen". Die kleinen Formate meiner früheren Landschaftsbilder interessierten mich nicht mehr. Anfänglich neigte ich zu Strukturen wie sie in der Natur vorkommen - Baumrinden, Sandflächen, Schneestücke, Wolkenformen etc. Ich wollte sie genau zeigen und die jeweilige, oft zurückhaltende malerische Qualität herausarbeiten. Ich machte zwar erste Fotos von solchen Strukturen, malte aber mit der innerlichen Ausrede "Zeitmangel", noch nicht. Nach weiteren Jahren "Malpause" fing ich plötzlich an Zeitungsfotos zu sammeln: wenn eine Welle gewaltig über eine Mauer schwappt oder ein riesiger Militärbulldozer alles zerstört und dabei eine wunderbare Staubwolke erzeugt. Da sah ich solche Strukturen, wie sie mich interessierten, aber in einem thematischen Zusammenhang, der mich immer stärker zum Malen drängte. Schließlich sammelte ich nur noch Fotos von zerstörten Gebäuden und wusste auch über einen längeren Zeitraum, wie ich die Malerei zerstörter Gebäude machen oder wenigstens anfangen könnte. 2006 war es dann so weit. Seither sammle ich Fotos zerstörter Gebäude und setze sie malerisch um.

Ich habe großes Verlangen an diesem Thema weiter zu malen und glaube, dass die ästhetische Verarbeitung des Verfalls, der Zerstörung und des Scheiterns wichtig ist und gebraucht wird.